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Zahnarztpraxis Nekzai in Hamburg-Wandsbek
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Plaque-Indizes

Plaque-Indizes sind standardisierte Messsysteme zur quantitativen Erfassung bakterieller Zahnbeläge in der Mundhöhle. Diese diagnostischen Instrumente ermöglichen die objektive Beurteilung der Mundhygiene und bilden eine wichtige Grundlage für die Planung präventiver und therapeutischer Maßnahmen. Die systematische Dokumentation von Plaque mittels Indizes macht die sonst schwer vergleichbare Belagsituation messbar und ermöglicht die Verlaufskontrolle sowie die Bewertung von Mundhygienemaßnahmen über die Zeit.

 

Bedeutung und Grundprinzip

Zahnbelag oder Plaque ist ein strukturierter bakterieller Biofilm, der sich kontinuierlich auf Zahnoberflächen bildet. Diese komplexe mikrobielle Gemeinschaft besteht aus Hunderten verschiedener Bakterienspezies, die in eine extrazelluläre Matrix aus Polysacchariden, Proteinen und DNA eingebettet sind. Die Ansammlung von Plaque ist der primäre ätiologische Faktor für die beiden häufigsten oralen Erkrankungen – Karies und Gingivitis beziehungsweise Parodontitis.

Die Erfassung der Plaquemenge und -verteilung ist daher von grundlegender Bedeutung für die zahnmedizinische Diagnostik. Während eine visuelle Inspektion bereits Hinweise auf die Mundhygienequalität gibt, ermöglichen Plaque-Indizes eine präzise Quantifizierung und standardisierte Dokumentation. Diese Objektivierung ist besonders wichtig für epidemiologische Studien, klinische Forschung, Qualitätskontrolle in der Praxis und die Motivation von Patienten zur Verbesserung ihrer häuslichen Mundhygiene.

Das Grundprinzip aller Plaque-Indizes besteht darin, das Vorhandensein oder die Menge von Zahnbelag nach einem definierten Schema zu erfassen und in einen numerischen Wert zu überführen. Die verschiedenen Indizes unterscheiden sich in ihrer Komplexität, den erfassten Zahnflächen, der Bewertungsskala und dem erforderlichen Zeitaufwand.

 

Klassische Plaque-Indizes

Plaque-Index nach Silness und Löe

Der 1964 von Silness und Löe entwickelte Plaque-Index gehört zu den am weitesten verbreiteten Systemen und gilt als Goldstandard in der parodontalen Diagnostik. Dieser Index erfasst die Dicke der Plaque am Gingivarand, also im Bereich des Zahnfleischsaums, wo die mikrobiellen Beläge die größte pathogene Wirkung entfalten.

Die Untersuchung erfolgt ohne Anfärbung, indem die Zahnoberflächen im Bereich des Gingivarandes inspiziert und mit einer Sonde vorsichtig abgefahren werden. An jedem Zahn werden vier Flächen beurteilt – mesial, distal, vestibulär und oral. Die Bewertung erfolgt nach einer vierstufigen Skala von 0 bis 3, wobei Code 0 für keine nachweisbare Plaque steht. Bei Code 1 ist ein dünner Plaquefilm nur durch Abstreichen mit der Sonde am Gingivarand sichtbar zu machen. Code 2 bedeutet, dass eine moderate Plaquemenge am Gingivarand und in der gingivalen Tasche mit bloßem Auge sichtbar ist. Code 3 wird vergeben, wenn reichlich Plaque am Gingivarand und in der Tasche vorhanden ist, die die interdentalen Bereiche ausfüllt.

Der Gesamtindex errechnet sich aus der Summe aller Einzelwerte dividiert durch die Anzahl der untersuchten Zahnflächen. Werte zwischen 0 und 3 sind möglich, wobei niedrige Werte für gute und hohe Werte für schlechte Mundhygiene stehen. In der Praxis werden häufig nicht alle Zähne untersucht, sondern Ramfjord-Zähne als repräsentative Stichprobe herangezogen.

Approximalraum-Plaque-Index

Der Approximalraum-Plaque-Index, auch API genannt, konzentriert sich auf die Zahnzwischenräume, die für die häusliche Reinigung besonders herausfordernd sind und gleichzeitig Prädilektionsstellen für parodontale Erkrankungen darstellen. Dieser von Lange entwickelte Index ist besonders patientenorientiert und eignet sich hervorragend für die Mundhygienemotivation.

Die Erhebung erfolgt nach Anfärbung der Plaque mit speziellen Färbelösungen. Untersucht werden ausschließlich die approximalen Bereiche, also die Zahnzwischenräume. Die Bewertung ist binär – entweder ist angefärbte Plaque vorhanden oder nicht. Es gibt keine Abstufungen bezüglich der Plaquemenge.

Der API wird als Prozentsatz ausgedrückt und berechnet sich aus der Anzahl der plaquebedeckten Approximalräume dividiert durch die Anzahl aller vorhandenen Approximalräume, multipliziert mit 100. Ein API unter 25 Prozent gilt als optimal und zeigt exzellente Mundhygiene an. Werte zwischen 25 und 39 Prozent sind noch akzeptabel. Werte zwischen 40 und 69 Prozent signalisieren mäßige Mundhygiene mit deutlichem Verbesserungsbedarf. Werte über 70 Prozent stehen für unzureichende Mundhygiene und hohes Erkrankungsrisiko.

Der große Vorteil des API liegt in seiner Einfachheit und schnellen Durchführbarkeit. Patienten können den Index leicht verstehen, und die prozentuale Angabe macht Verbesserungen oder Verschlechterungen unmittelbar nachvollziehbar. Dies erhöht die Compliance und motiviert zu intensiverer Zahnzwischenraumpflege.

Plaque-Control-Record nach O’Leary

Der Plaque-Control-Record, entwickelt von O’Leary, Drake und Naylor, ist ein umfassendes System zur Erfassung der Plaque an allen zugänglichen Zahnflächen. Dieser Index dokumentiert das Vorhandensein von Plaque nach Anfärbung an vier Flächen pro Zahn – mesial, distal, vestibulär und oral.

Nach der Anfärbung wird jede Zahnfläche einzeln beurteilt. Die Bewertung ist ebenfalls binär – Plaque ist entweder vorhanden oder nicht vorhanden. Es erfolgt keine Differenzierung nach Plaquemenge oder -dicke. Die Ergebnisse werden in einem Zahnschema dokumentiert, wobei befallene Flächen markiert werden.

Der Index wird als Prozentsatz berechnet: Anzahl der plaquebedeckten Flächen dividiert durch Gesamtzahl aller untersuchten Flächen, multipliziert mit 100. Ein Wert unter 20 Prozent wird als Therapieziel angestrebt und zeigt gute Mundhygiene an. Höhere Werte indizieren Verbesserungsbedarf. Die detaillierte Erfassung aller Zahnflächen macht diesen Index zeitaufwendig, liefert aber die umfassendste Information über die Plaqueverteilung im gesamten Gebiss.

Quigley-Hein-Index

Der Quigley-Hein-Index, später von Turesky modifiziert, erfasst die Plaque auf den vestibulären Zahnflächen nach Anfärbung. Dieser Index verwendet eine sechsstufige Skala von 0 bis 5 und ermöglicht eine differenzierte Beurteilung der Plaquemenge.

Code 0 bedeutet keine Plaque, während Code 1 für vereinzelte Plaqueflecken am Gingivarand steht. Bei Code 2 ist ein durchgehender schmaler Plaquestreifen am Gingivarand vorhanden. Code 3 beschreibt Plaque, die bis zu einem Drittel der Zahnfläche bedeckt. Code 4 bedeutet eine Bedeckung zwischen einem und zwei Dritteln der Fläche, und Code 5 steht für Plaquebelag auf mehr als zwei Dritteln der Zahnoberfläche.

Dieser Index wird häufig in klinischen Studien zur Testung von Mundhygieneprodukten eingesetzt, da er eine feine Differenzierung der Plaquemenge ermöglicht und Veränderungen sensitiv erfasst.

 

Anfärbemethoden

Die meisten Plaque-Indizes erfordern die Sichtbarmachung der ansonsten oft schwer erkennbaren Beläge. Verschiedene Anfärbemittel stehen zur Verfügung, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen.

• Zweiphasen-Färbelösungen enthalten Farbstoffe, die zwischen älterer und neuerer Plaque differenzieren. Ältere Beläge färben sich dabei typischerweise blau oder violett, während frische Plaque rot oder rosa erscheint. Diese Unterscheidung ist diagnostisch wertvoll, da ältere, nicht entfernte Plaque auf systematische Defizite in der Mundhygiene hinweist.

• Erythrosin-basierte Färbemittel sind weit verbreitet und färben Plaque intensiv rot oder rosa. Sie bieten eine klare Sichtbarmachung und sind besonders in der Patienteninstruktion nützlich.

• Fluorescein stellt einen speziellen Farbstoff dar, der unter UV-Licht gelb-grün fluoresziert, bei normalem Licht aber kaum sichtbar ist. Dies ermöglicht eine professionelle Diagnostik, ohne dass der Patient nach der Untersuchung kosmetisch beeinträchtigt wird.

Die Applikation der Färbemittel erfolgt in unterschiedlicher Form:
• Lösungen werden mit Wattepellets aufgetragen oder als Spülung angewendet.
• Färbetabletten werden vom Patienten zerkaut und mit der Zunge im Mund verteilt.
• Gele können gezielt auf einzelne Zahnflächen aufgetragen werden.
Nach kurzer Einwirkzeit wird ausgespült, wobei die Plaque gefärbt zurückbleibt und somit deutlich erkennbar ist.

 

Klinische Anwendung und Interpretation

Die Erhebung von Plaque-Indizes dient verschiedenen Zwecken in der zahnärztlichen Praxis. Bei der Erstuntersuchung gibt der Plaque-Index Aufschluss über die häusliche Mundhygiene und das individuelle Kariesrisiko. Patienten mit hohen Plaque-Werten benötigen intensive Aufklärung und Instruktion zur Verbesserung ihrer Putztechnik.

In der Verlaufskontrolle dokumentieren regelmäßig erhobene Indizes den Erfolg prophylaktischer Maßnahmen. Sinkende Werte zeigen eine verbesserte Compliance und effektivere Mundhygiene an, während stagnierende oder steigende Werte auf unzureichende häusliche Bemühungen oder ineffektive Putztechniken hinweisen. Diese objektive Rückmeldung ist für die Patientenmotivation von unschätzbarem Wert.

Bei parodontalen Behandlungen ist die Plaquekontrolle fundamentaler Bestandteil der Therapie. Vor Beginn einer aktiven Parodontitisbehandlung sollte der Patient eine zufriedenstellende Mundhygiene erreicht haben, üblicherweise ausgedrückt durch einen Plaque-Index unter definierten Schwellenwerten. Die regelmäßige Kontrolle während der Erhaltungstherapie hilft, Rezidive frühzeitig zu erkennen.

 

Vorteile standardisierter Plaque-Indizes

Die Verwendung standardisierter Indizes bietet zahlreiche Vorteile gegenüber einer rein subjektiven Beurteilung der Mundhygiene. Die Objektivierung ermöglicht vergleichbare Messungen über die Zeit und zwischen verschiedenen Untersuchern. Dies ist besonders wichtig in Gemeinschaftspraxen oder bei wissenschaftlichen Studien.

Die numerische Erfassung erleichtert die Kommunikation mit Patienten. Eine Prozentzahl oder ein Score ist leichter verständlich als verbale Beschreibungen wie „mäßige Mundhygiene“. Die quantitative Darstellung ermöglicht es Patienten, Fortschritte zu erkennen und motiviert zu weiteren Anstrengungen.

Für die Qualitätssicherung in der Praxis liefern Plaque-Indizes objektive Daten zur Bewertung prophylaktischer Programme. Die systematische Dokumentation dient auch forensischen Zwecken und belegt die Durchführung und Qualität präventiver Maßnahmen.

Limitationen und praktische Überlegungen

Trotz ihrer Vorteile weisen Plaque-Indizes auch Limitationen auf. Die Erhebung ist zeitaufwendig und bindet Ressourcen in der Praxis. Nicht alle Indizes sind für den Routineeinsatz praktikabel, insbesondere sehr detaillierte Systeme erfordern erheblichen Zeitaufwand.

Die Anfärbung von Plaque kann für Patienten vorübergehend kosmetisch störend sein, auch wenn die Färbung nach einigen Stunden verschwindet. Termine sollten entsprechend geplant werden, sodass Patienten keine wichtigen sozialen oder beruflichen Verpflichtungen unmittelbar danach haben.

Die Aussagekraft der Indizes ist auf den Untersuchungszeitpunkt begrenzt. Manche Patienten intensivieren ihre Mundhygiene vor zahnärztlichen Terminen, was zu artifiziell niedrigen Werten führt. Die Interpretation muss daher im klinischen Kontext erfolgen und andere Befunde wie Gingivitis-Zeichen mit einbeziehen.

 

Integration in die Praxisroutine

Für die erfolgreiche Integration von Plaque-Indizes in den Praxisalltag ist ein strukturiertes Vorgehen erforderlich. Die Auswahl des geeigneten Index sollte auf Basis der Praxisphilosophie, verfügbarer Ressourcen und Patientenklientel erfolgen. Der API hat sich aufgrund seiner Einfachheit und Patientenfreundlichkeit in vielen Praxen bewährt, während der Plaque-Index nach Silness und Löe in parodontologisch ausgerichteten Praxen bevorzugt wird.

Die Schulung des Praxisteams in der standardisierten Erhebung ist essenziell für reproduzierbare Ergebnisse. Regelmäßige Kalibrierungsübungen zwischen verschiedenen Untersuchern erhöhen die Zuverlässigkeit. Die Dokumentation sollte systematisch in der Patientenakte erfolgen, idealerweise mit grafischer Darstellung zur Visualisierung von Trends.

Die Kommunikation der Ergebnisse an den Patienten erfordert didaktisches Geschick. Die Verbindung zwischen Plaque-Index und Erkrankungsrisiko sollte deutlich gemacht werden, ohne den Patienten zu demotivieren. Positive Entwicklungen müssen hervorgehoben und realistische Verbesserungsziele gemeinsam definiert werden. Plaque-Indizes sind damit nicht nur diagnostische Instrumente, sondern zentrale Elemente einer erfolgreichen präventionsorientierten Zahnmedizin.

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