Tel.: 040 695 2000
Zahnarztpraxis Nekzai in Hamburg-Wandsbek
  • Praxis
  • Leistungen
  • Zahngesundheit
    • News
    • Galerie
    • Blog
    • Wiki
    • Service
    • Downloads
    • Ästhetische Zahnheilkunde
    • Zahnarztangst?
  • Prophylaxe
  • Endodontie
  • Implantate
  • Zahnästhetik
  • Terminbuchung
  • Kontakt
  • Menü Menü

Photodynamische Therapie in der Zahnmedizin

Die photodynamische Therapie, häufig als PDT abgekürzt, ist ein innovatives Behandlungsverfahren, das in den letzten Jahren zunehmend Einzug in die zahnmedizinische Praxis gefunden hat. Diese Methode nutzt die Kombination aus einem lichtaktivierbaren Farbstoff, einem Photosensibilisator, und Licht spezifischer Wellenlänge, um gezielt Bakterien, Viren und Pilze zu eliminieren. Die antimikrobielle photodynamische Therapie, auch aPDT genannt, stellt eine vielversprechende Alternative oder Ergänzung zur konventionellen Antibiotikatherapie dar und gewinnt besonders im Kontext zunehmender Antibiotikaresistenzen an Bedeutung.

 

Wirkmechanismus der photodynamischen Therapie

Das Grundprinzip der photodynamischen Therapie beruht auf einer photochemischen Reaktion, die in mehreren Schritten abläuft. Zunächst wird ein Photosensibilisator auf die zu behandelnde Region aufgetragen. Diese Farbstoffsubstanz lagert sich an bakterielle Zellmembranen und -wände an oder dringt in die Mikroorganismen ein. Die Aufnahme erfolgt selektiv durch pathogene Keime, während menschliche Zellen den Farbstoff deutlich weniger aufnehmen.

Nach einer kurzen Einwirkzeit von typischerweise 30 Sekunden bis drei Minuten erfolgt die Bestrahlung mit Licht einer spezifischen Wellenlänge. Diese Wellenlänge entspricht dem Absorptionsspektrum des verwendeten Photosensibilisators und liegt meist im roten oder blauen Bereich des sichtbaren Lichtspektrums. Durch die Lichtabsorption wird der Farbstoff energetisch angeregt und in einen aktiven Zustand versetzt.

In diesem angeregten Zustand überträgt der Photosensibilisator seine Energie auf umgebende Sauerstoffmoleküle. Dabei entstehen hochreaktive Sauerstoffspezies, insbesondere Singulett-Sauerstoff und freie Radikale. Diese aggressiven Moleküle besitzen eine extrem kurze Lebensdauer von nur wenigen Mikrosekunden und einen begrenzten Wirkradius von etwa 20 Nanometern. Sie reagieren unmittelbar mit zellulären Strukturen der Mikroorganismen.

Die oxydativen Schädigungen betreffen multiple Zielmoleküle gleichzeitig. Zellmembranen werden perforiert, Enzyme inaktiviert, DNA-Stränge fragmentiert und Proteine denaturiert. Diese Mehrfachangriffe auf verschiedene zelluläre Strukturen verhindern die Entwicklung von Resistenzen, da Bakterien nicht gleichzeitig Schutzmechanismen gegen alle diese Schadensmuster entwickeln können. Dies unterscheidet die PDT fundamental von Antibiotika, die meist nur einen spezifischen Angriffspunkt haben.

 

Photosensibilisatoren in der Zahnmedizin

In der zahnmedizinischen Anwendung kommen verschiedene Photosensibilisatoren zum Einsatz. Die Auswahl richtet sich nach dem Anwendungsgebiet, dem zu bekämpfenden Keimspektrum und den physikalischen Eigenschaften des Farbstoffs.

Toluidinblau ist einer der am häufigsten verwendeten Photosensibilisatoren in der Zahnmedizin. Dieser phenothiazinbasierte Farbstoff zeigt eine gute Affinität zu bakteriellen Strukturen und wird mit rotem Licht im Wellenlängenbereich um 630 Nanometer aktiviert. Die Substanz weist eine hohe Wirksamkeit gegen grampositive und gramnegative Bakterien auf und ist seit Jahrzehnten als medizinischer Farbstoff etabliert.

Methylenblau gehört zur gleichen Substanzklasse und verfügt über ähnliche Eigenschaften. Es zeichnet sich durch gute Gewebepenetration und breites antimikrobielles Spektrum aus. Die Aktivierung erfolgt ebenfalls mit rotem Licht, und die Substanz ist kostengünstig und gut verfügbar.

Chlorin-e6-Derivate stellen eine weitere wichtige Gruppe dar. Diese Porphyrin-basierten Photosensibilisatoren zeigen eine besonders hohe quantenchemische Effizienz bei der Singulett-Sauerstoff-Bildung. Sie werden häufig in kommerziellen PDT-Systemen eingesetzt und ermöglichen durch ihre optimierte molekulare Struktur effektive antimikrobielle Wirkung bei kurzen Belichtungszeiten.

Indocyaningrün wird vor allem in der periimplantären Therapie eingesetzt. Dieser Farbstoff hat die Besonderheit, dass er auch auf Titanoberflächen gut haftet und mit Nahinfrarotlicht aktiviert werden kann. Dies ermöglicht die Behandlung von Periimplantitis ohne mechanische Bearbeitung der sensiblen Implantatoberfläche.

 

Anwendungsgebiete in der Zahnmedizin

Die photodynamische Therapie findet in verschiedenen Bereichen der Zahnmedizin Anwendung, wobei die antimikrobielle Wirkung im Vordergrund steht.

Parodontologie

In der Behandlung von Parodontitis stellt die PDT eine wertvolle Ergänzung zur mechanischen Therapie dar. Nach der konventionellen Entfernung bakterieller Beläge und Konkremente durch Scaling und Root Planing verbleiben häufig Restbakterien in den parodontalen Taschen. Diese Mikroorganismen besiedeln Bereiche, die mechanisch schwer zugänglich sind, wie Wurzelrauigkeiten, Furkationen oder tiefe Taschen.

Die Anwendung der PDT erfolgt nach der mechanischen Reinigung. Der Photosensibilisator wird in die Tasche eingebracht und nach kurzer Einwirkzeit mit einer speziellen Lichtleitersonde belichtet. Diese flexible Glasfasersonde wird in die Tasche eingeführt und gibt das Licht zirkumferenziell ab, sodass die gesamte Taschenumgebung erfasst wird.

Studien zeigen, dass die Kombination aus mechanischer Therapie und PDT zu einer stärkeren Reduktion der Taschentiefen und einem besseren klinischen Outcome führt als die mechanische Behandlung allein. Besonders bei aggressiven Verlaufsformen oder bei Patienten mit erschwerten Heilungsbedingungen kann die PDT den Behandlungserfolg verbessern. Auch in der unterstützenden Parodontitistherapie während der Erhaltungsphase wird die PDT eingesetzt, um Rezidive zu verhindern.

Endodontie

Die Wurzelkanalbehandlung zielt darauf ab, infiziertes Gewebe und Bakterien aus dem komplexen Kanalsystem zu entfernen. Trotz sorgfältiger mechanischer Aufbereitung und chemischer Desinfektion können Mikroorganismen in Seitenkanälen, Isthmen oder Dentintubuli persistieren. Die PDT bietet hier eine zusätzliche Desinfektionsmöglichkeit.

Nach der konventionellen Aufbereitung wird der Photosensibilisator in den Wurzelkanal eingebracht. Die Belichtung erfolgt mit einer dünnen Glasfasersonde, die in den Kanal eingeführt wird. Die entstehenden Sauerstoffradikale wirken auch in Bereichen, die für Spüllösungen und Instrumente schwer erreichbar sind. Die PDT kann besonders bei Revisionsbehandlungen, persistierenden Infektionen oder anatomisch komplexen Kanalsystemen von Vorteil sein.

Periimplantitis-Therapie

Die Behandlung entzündeter Gewebe um Zahnimplantate ist eine besondere Herausforderung. Die mechanische Reinigung der Implantatoberfläche birgt das Risiko, die sensible Titanoberfläche zu beschädigen, was die Biokompatibilität beeinträchtigt und weitere Bakterienanlagerung begünstigt. Die PDT ermöglicht eine schonende antimikrobielle Behandlung ohne mechanische Manipulation der Implantatoberfläche.

Spezielle Photosensibilisatoren mit Affinität zu Titanoberflächen werden aufgetragen und nach Einwirkzeit belichtet. Die Methode kann sowohl bei Mukositis im Frühstadium als auch bei fortgeschrittener Periimplantitis eingesetzt werden. Häufig wird die PDT mit minimalinvasiven chirurgischen Verfahren kombiniert, um optimale Zugänglichkeit zu gewährleisten.

Weitere Indikationen

Die PDT findet auch Anwendung bei der Behandlung oraler Pilzinfektionen wie Candidiasis, insbesondere bei Prothesenträgern. Die antimykotische Wirkung ermöglicht eine lokale Therapie ohne systemische Nebenwirkungen. Bei infizierten Extraktionswunden oder Alveolitis sicca kann die PDT die Heilung beschleunigen und Schmerzen reduzieren. In der präprothetischen Keimreduktion vor Implantatinsertion oder Augmentationen trägt die PDT zur Verringerung des Infektionsrisikos bei.

 

Praktische Durchführung

Die Anwendung der photodynamischen Therapie in der zahnärztlichen Praxis ist unkompliziert und lässt sich gut in den Behandlungsablauf integrieren. Nach der mechanischen Vorreinigung des Behandlungsareals erfolgt die Applikation des Photosensibilisators. Je nach Produkt wird dieser mit einem Applikator, einer Spritze oder durch Spülung aufgetragen.

Die Einwirkzeit variiert je nach verwendetem System zwischen 30 Sekunden und fünf Minuten. Während dieser Zeit lagert sich der Farbstoff an die Mikroorganismen an. Überschüssiger Photosensibilisator kann vor der Belichtung entfernt werden, ist aber nicht zwingend erforderlich, da nur der an Bakterien gebundene Farbstoff aktiviert wird.

Die Belichtung erfolgt mit speziellen LED- oder Lasergeräten, die Licht der erforderlichen Wellenlänge emittieren. Die Bestrahlungsdauer beträgt typischerweise 30 Sekunden bis drei Minuten, abhängig von der Lichtintensität und dem verwendeten System. Der Patient verspürt während der Behandlung keine Schmerzen, allenfalls eine leichte Wärmeentwicklung.

 

Vorteile und wissenschaftliche Evidenz

Die photodynamische Therapie bietet mehrere Vorteile gegenüber konventionellen antimikrobiellen Ansätzen:

  • Keine Resistenzentwicklung: Der multiple Wirkmechanismus verhindert bakterielle Anpassung, was besonders im Kontext zunehmender Antibiotikaresistenzen bedeutsam ist
  • Selektive Wirkung: Die Schädigung beschränkt sich auf Mikroorganismen, während menschliche Zellen weitgehend geschont werden
  • Lokale Anwendung: Die Behandlung erfolgt gezielt am Ort der Infektion ohne systemische Belastung
  • Gute Verträglichkeit: Nebenwirkungen sind minimal und beschränken sich auf vorübergehende Verfärbungen der Schleimhaut
  • Wiederholbarkeit: Die Therapie kann bei Bedarf problemlos wiederholt werden ohne Kumulation toxischer Effekte
  • Kurze Behandlungszeit: Die gesamte Prozedur dauert nur wenige Minuten

Die wissenschaftliche Evidenz zur PDT in der Zahnmedizin wächst kontinuierlich. Zahlreiche Studien belegen die antimikrobielle Wirksamkeit in vitro und zeigen positive klinische Effekte. Die meisten Untersuchungen beschreiben die PDT als additives Verfahren, das die konventionelle Therapie unterstützt und verbessert, jedoch nicht ersetzt. Die Heterogenität der Studiendesigns, verwendeten Systeme und Parameter erschwert allerdings die direkte Vergleichbarkeit und die Ableitung standardisierter Behandlungsprotokolle.

 

Limitationen und Zukunftsperspektiven

Trotz der vielversprechenden Eigenschaften bestehen Limitationen. Die Wirkung der PDT ist auf oberflächennahe Bereiche beschränkt, da die Eindringtiefe des Lichts begrenzt ist. Bei tiefen Infektionen im Knochengewebe kann die Methode daher nicht als alleinige Therapie eingesetzt werden. Die Kosten für spezielle PDT-Systeme und die fehlende Abrechnung über gesetzliche Krankenversicherungen in vielen Ländern limitieren die Verbreitung.

Die Zukunft der photodynamischen Therapie liegt in der Optimierung der Photosensibilisatoren, der Entwicklung effizienterer Lichtsysteme und der Standardisierung von Behandlungsprotokollen. Nanopartikel-basierte Photosensibilisatoren könnten die Eindringtiefe und Selektivität erhöhen. Die Integration in digitale Behandlungskonzepte und die Kombination mit anderen minimalinvasiven Verfahren versprechen weitere Verbesserungen der klinischen Ergebnisse.

Search Search
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen