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Zahnarztpraxis Nekzai in Hamburg-Wandsbek
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Parodontium

Das Parodontium, auch Zahnhalteapparat oder Zahnbett genannt, ist ein komplexes funktionelles System, das den Zahn im Kieferknochen verankert und stabilisiert. Diese hochspezialisierte anatomische Struktur ermöglicht nicht nur die feste Verankerung der Zähne, sondern erfüllt auch wichtige biologische Funktionen wie Ernährung, Schutz und Adaptation an mechanische Belastungen. Das Verständnis des Parodontiums ist fundamental für die gesamte Zahnmedizin, denn Erkrankungen dieses Systems gehören zu den häufigsten chronischen Leiden weltweit und sind die Hauptursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter.

Anatomischer Aufbau des Parodontiums

Der Zahnhalteapparat setzt sich aus vier unterschiedlichen, aber funktionell eng miteinander verbundenen Geweben zusammen. Diese Strukturen bilden eine biologische Einheit, die den Zahn fest im Knochen verankert und gleichzeitig eine gewisse Beweglichkeit ermöglicht, um Kaukräfte abzufedern und zu verteilen.

Die Gingiva

Die Gingiva, im allgemeinen Sprachgebrauch als Zahnfleisch bezeichnet, ist der sichtbare Teil des Parodontiums. Dieses spezialisierte Schleimhautgewebe umgibt die Zahnhälse und bedeckt den Alveolarknochen. Gesunde Gingiva zeigt eine blassrosa Färbung, eine feste Konsistenz und eine leicht getüpfelte Oberfläche, die an Orangenhaut erinnert. Diese Stippelung entsteht durch die bindegewebige Struktur und gilt als Zeichen gesunden Zahnfleisches.

Die Gingiva lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen. Die freie Gingiva bildet einen schmalen Saum um den Zahn herum und ist nicht fest mit dem Zahn verbunden. Zwischen freier Gingiva und Zahnoberfläche entsteht der gingivale Sulkus, eine etwa 0,5 bis 2 Millimeter tiefe physiologische Furche. Die attached Gingiva, die befestigte Gingiva, ist fest mit dem darunterliegenden Knochen verbunden und besonders widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen beim Kauen.

Das gingivale Epithel bildet eine Barriere gegen das bakterienreiche orale Milieu. Es erneuert sich kontinuierlich und verfügt über ausgeprägte Abwehrmechanismen. Die Sulkusflüssigkeit, eine seröse Flüssigkeit, die aus dem Bindegewebe in den Sulkus sickert, enthält Abwehrzellen und antibakterielle Substanzen. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der lokalen Immunabwehr und spült mechanisch Bakterien aus dem Sulkus.

Das Wurzelzement

Das Wurzelzement ist ein mineralisiertes Gewebe, das die gesamte Zahnwurzel bedeckt. Mit etwa 65 Prozent anorganischem Anteil ist es weniger hart als Zahnschmelz oder Dentin, aber härter als Knochen. Diese spezielle Gewebestruktur dient als Verankerungssubstrat für die parodontalen Fasern und ermöglicht eine funktionelle Verbindung zwischen Zahn und umgebendem Gewebe.

Man unterscheidet zwei Haupttypen von Wurzelzement. Das azelluläre Zement bedeckt vorwiegend das zervikale und mittlere Wurzeldrittel und enthält keine Zellen. Es entsteht während der Zahnentwicklung und wächst langsam durch Anlagerung neuer Schichten. Das zelluläre Zement findet sich hauptsächlich im apikalen Wurzeldrittel und im Furkationsbereich mehrwurzeliger Zähne. Es enthält eingelagerte Zellen, sogenannte Zementozyten, und kann bei funktionellen Anforderungen schneller neue Substanz bilden.

Das Zement besitzt lebenslang die Fähigkeit zur Neubildung, was therapeutisch bedeutsam ist. Bei parodontalen Erkrankungen können Defekte am Wurzelzement durch regenerative Verfahren wieder aufgebaut werden. Diese Regenerationsfähigkeit unterscheidet das Zement von vielen anderen mineralisierten Geweben des Körpers.

Die Desmodontale Fasern

Das Desmodont, auch Periodontium oder Wurzelhaut genannt, ist eine bindegewebige Struktur zwischen Wurzelzement und Alveolarknochen. Dieses nur 0,15 bis 0,4 Millimeter breite Kompartiment enthält kollagene Faserbündel, die als Sharpey-Fasern bezeichnet werden und den Zahn elastisch im Knochenfach aufhängen. Diese Faserarchitektur ist genial konstruiert und erfüllt multiple Funktionen.

Die parodontalen Fasern verlaufen in verschiedenen Orientierungen, um den unterschiedlichen Belastungsrichtungen standzuhalten. Sie sind nicht starr gespannt, sondern leicht wellenförmig angeordnet, was eine gewisse physiologische Zahnbeweglichkeit ermöglicht. Bei Kaubelastung werden die Fasern gespannt und übertragen die Kraft gleichmäßig auf den umgebenden Knochen. Gleichzeitig dämpfen sie Kraftspitzen ab und schützen den Zahn vor Überlastung.

Neben der mechanischen Funktion beherbergt das Desmodont zahlreiche Blutgefäße und Nervenfasern. Die reichliche Vaskularisierung gewährleistet die Ernährung des Gewebes und ermöglicht schnelle Heilungsprozesse. Die Nervenfasern vermitteln das feine taktile Empfinden beim Kauen und warnen bei Überbelastung durch Schmerzempfindung. Das Desmodont enthält zudem Stammzellen, die für regenerative Prozesse und die kontinuierliche Gewebeerneuerung verantwortlich sind.

Der Alveolarknochen

Der Alveolarknochen bildet das knöcherne Fundament des Zahnhalteapparates. Er umgibt die Zahnwurzeln und formt die Alveolen, die zahntragenden Knochenfächer. Dieser spezialisierte Knochen ist funktionell abhängig vom Vorhandensein der Zähne – er entsteht während des Zahndurchbruchs und bildet sich nach Zahnverlust wieder zurück.

Der Alveolarknochen besteht aus zwei Schichten. Die innere Schicht, der sogenannte Bundle Bone oder Lamina cribriformis, grenzt direkt an das Desmodont und weist zahlreiche kleine Öffnungen auf, durch die Blutgefäße und Nervenfasern verlaufen. In diese Schicht strahlen die Sharpey-Fasern ein und verankern den Zahn im Knochen. Die äußere Schicht besteht aus kompaktem Knochen an der Oberfläche und spongiösem Knochen im Inneren.

Der Alveolarknochen unterliegt einem ständigen Umbauprozess, dem sogenannten Remodeling. Knochenaufbauende Zellen (Osteoblasten) und knochenabbauende Zellen (Osteoklasten) arbeiten in einem fein regulierten Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht ermöglicht die Anpassung an veränderte Belastungssituationen, bildet aber auch die Grundlage für parodontale Erkrankungen, bei denen der Knochenabbau überwiegt.

Funktionen des Parodontiums

Der Zahnhalteapparat erfüllt vielfältige Aufgaben, die weit über die bloße Verankerung der Zähne hinausgehen. Die Hauptfunktionen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Verankerung und Stabilisierung: Das Parodontium hält die Zähne fest im Kiefer und ermöglicht die Übertragung enormer Kaukräfte von bis zu 800 Newton auf den Knochen
  • Stoßdämpfung: Die elastische Aufhängung im Desmodont dämpft Kraftspitzen ab und schützt Zahn und Knochen vor Überlastungsschäden
  • Sensorik: Zahlreiche Mechanorezeptoren vermitteln die feine Druckwahrnehmung und ermöglichen die präzise Steuerung der Kaubewegungen
  • Schutzfunktion: Die Gingiva bildet eine Barriere gegen bakterielle Invasion und schützt die tieferen Strukturen des Parodonts
  • Regeneration: Das Parodontium verfügt über bemerkenswerte Regenerationsfähigkeiten und kann sich bei günstigen Bedingungen selbst reparieren

Physiologische Besonderheiten

Das Parodontium ist ein dynamisches Gewebe, das sich kontinuierlich erneuert und an wechselnde Anforderungen anpasst. Der Zellumsatz im gingivalen Epithel ist hoch – die vollständige Erneuerung erfolgt innerhalb weniger Tage. Diese rasche Regeneration ermöglicht eine schnelle Heilung nach Verletzungen, macht das Gewebe aber auch anfällig für pathologische Prozesse.

Die biologische Breite ist ein wichtiges Konzept in der Parodontologie. Darunter versteht man den Raum, den das Parodont für die Anheftung am Zahn benötigt. Diese biologische Breite umfasst etwa 2 bis 3 Millimeter und besteht aus dem gingivalen Sulkus sowie dem epithelialen und bindegewebigen Attachment. Wird dieser Raum durch zahnärztliche Restaurationen oder andere Faktoren verletzt, kommt es zu entzündlichen Reaktionen und möglicherweise zu Knochenabbau.

Die Durchblutung des Parodontiums ist außerordentlich reich. Das Desmodont gehört zu den am stärksten durchbluteten Geweben des Körpers, was die intensive metabolische Aktivität und die Fähigkeit zur schnellen Adaptation widerspiegelt. Diese ausgeprägte Vaskularisation ermöglicht auch orthodontische Zahnbewegungen, bei denen durch kontrollierte Druckausübung Knochen ab- und aufgebaut wird.

Das Parodontium im Alterungsprozess

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Parodontium in seiner Struktur und Funktion. Das Wurzelzement wird kontinuierlich dicker durch Apposition neuer Schichten, was die Verankerung im Alter sogar verstärken kann. Gleichzeitig nimmt die Regenerationsfähigkeit ab, und Heilungsprozesse verlaufen langsamer.

Die Gingiva kann an Elastizität verlieren und eine veränderte Konsistenz aufweisen. Der Alveolarknochen unterliegt einem langsamen, aber kontinuierlichen Abbau, was bei fehlender Belastung, etwa nach Zahnverlust, deutlich beschleunigt wird. Diese altersassoziierten Veränderungen sind von pathologischen Prozessen durch parodontale Erkrankungen zu unterscheiden, verlaufen aber oft parallel und beeinflussen sich gegenseitig.

Parodontale Erkrankungen

Die häufigsten Erkrankungen des Parodontiums sind Gingivitis und Parodontitis. Bei der Gingivitis beschränkt sich die Entzündung auf die Gingiva, ohne dass tieferliegende Strukturen betroffen sind. Dieses Stadium ist vollständig reversibel bei Beseitigung der bakteriellen Beläge. Die Parodontitis hingegen geht mit einem irreversiblen Verlust von Attachment, Knochen und Desmodont einher.

Parodontale Erkrankungen entstehen primär durch bakterielle Biofilme, werden aber durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst. Genetische Prädisposition, Rauchen, Diabetes mellitus, Stress und immunologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Die moderne Parodontologie versteht Parodontitis als multifaktorielle Erkrankung, bei der bakterielle Infektion und Wirtsantwort zusammenwirken.

Die Prävention parodontaler Erkrankungen basiert auf konsequenter Plaquekontrolle durch häusliche Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen mit Erhebung parodontaler Indices ermöglichen die Früherkennung und rechtzeitige Intervention. Das Verständnis der komplexen Anatomie und Physiologie des Parodontiums ist Voraussetzung für erfolgreiche präventive und therapeutische Strategien zum Erhalt dieses lebenswichtigen Gewebesystems.

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