Tel.: 040 695 2000
Zahnarztpraxis Nekzai in Hamburg-Wandsbek
  • Praxis
  • Leistungen
  • Zahngesundheit
    • News
    • Galerie
    • Blog
    • Wiki
    • Service
    • Downloads
    • Ästhetische Zahnheilkunde
    • Zahnarztangst?
  • Prophylaxe
  • Endodontie
  • Implantate
  • Zahnästhetik
  • Terminbuchung
  • Kontakt
  • Menü Menü

Rezessionsdeckung

Die Rezessionsdeckung ist ein parodontalchirurgisches Verfahren zur Behandlung von Zahnfleischrückgang, bei dem freiliegende Zahnhälse durch Verschiebung oder Transplantation von Weichgewebe wieder abgedeckt werden. Dieser ästhetisch und funktionell bedeutsame Eingriff zielt darauf ab, die natürliche Harmonie zwischen Zahn und Zahnfleisch wiederherzustellen, überempfindliche Zahnhälse zu schützen und die Langzeitprognose der betroffenen Zähne zu verbessern. Die moderne Parodontalchirurgie verfügt über verschiedene ausgefeilte Techniken, die bei korrekter Indikationsstellung und fachgerechter Durchführung vorhersagbare Ergebnisse mit hohen Erfolgsraten ermöglichen.

 

Definition und klinische Bedeutung

Unter Rezession versteht man in der Zahnmedizin den Rückgang des marginalen Zahnfleisches mit Freilegung der Zahnwurzel. Die Grenze zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel, die sogenannte Schmelz-Zement-Grenze, wird dabei sichtbar und die Wurzeloberfläche liegt frei. Diese Situation ist nicht nur ästhetisch störend, insbesondere im sichtbaren Frontzahnbereich, sondern kann auch zu funktionellen Problemen führen.

Freiliegende Zahnhälse reagieren häufig überempfindlich auf thermische Reize, da das Dentin im Gegensatz zum Zahnschmelz von Kanälchen durchzogen ist, die eine direkte Verbindung zum Zahnnerv ermöglichen. Patienten klagen über stechende Schmerzen beim Genuss kalter Getränke, beim Einatmen kalter Luft oder bei süßen und sauren Speisen. Diese Hypersensibilität beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und schränkt die Nahrungsauswahl ein.

Darüber hinaus ist die freiliegende Wurzeloberfläche anfälliger für Karies. Das Wurzelzement ist weicher als Zahnschmelz und bietet weniger Widerstand gegen bakterielle Angriffe. Wurzelkaries entsteht schneller und kann rasch fortschreiten. Die erschwerte Mundhygiene im Bereich von Rezessionen durch die veränderte Anatomie und die erhöhte Schmerzempfindlichkeit begünstigt die Plaqueakkumulation zusätzlich.

Ästhetisch führen Rezessionen zu einem unharmonischen Erscheinungsbild des Zahnfleischverlaufs, besonders wenn einzelne Zähne betroffen sind. Die betroffenen Zähne wirken länger als ihre Nachbarn, was das Lächeln beeinträchtigt. Bei jüngeren Patienten kann dies zu erheblichem psychischem Leidensdruck führen.

 

Ursachen und Klassifikation von Rezessionen

Die Entstehung von Gingivarezessionen ist multifaktoriell bedingt. Traumatische Zahnputztechniken mit zu hohem Druck oder zu harten Borsten gehören zu den häufigsten Ursachen. Die mechanische Schädigung führt zur chronischen Irritation und zum allmählichen Geweberückgang. Besonders gefährdet sind exponierte Bereiche wie die Eckzähne und Prämolaren.

Anatomische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Eine dünne Gingiva mit wenig darunterliegendem Knochen ist vulnerabler für Rezessionen. Auch die Position der Zähne im Kiefer beeinflusst das Risiko – vestibuläre Kippungen oder Zähne, die außerhalb der knöchernen Begrenzung stehen, zeigen häufiger Rezessionen. Ein insuffizientes Lippen- oder Wangenbändchen, das zu weit kranial ansetzt und Zug auf das marginale Zahnfleisch ausübt, kann ebenfalls zur Rezessionsentwicklung beitragen.

Parodontale Erkrankungen mit entzündungsbedingtem Gewebeabbau führen zu Rezessionen, ebenso wie unsachgemäß durchgeführte restaurative oder prothetische Maßnahmen. Kronen- oder Füllungsränder, die in den biologischen Bereich des Parodontiums eingreifen, provozieren chronische Entzündungen mit konsekutivem Geweberückgang. Auch kieferorthopädische Behandlungen können bei forcierter vestibulärer Zahnbewegung Rezessionen verursachen.

Miller-Klassifikation

Die Klassifikation nach Miller aus dem Jahr 1985 teilt Rezessionen in vier Klassen ein und hat prognostische Bedeutung für die Deckbarkeit. Klasse I beschreibt eine Rezession im marginalen Gewebe, die weder die mukogingivale Grenze erreicht noch mit Verlust von interdentaler Gingiva oder Knochen einhergeht. Diese Form hat die beste Prognose für vollständige Deckung.

Klasse II reicht bis zur oder über die mukogingivale Grenze hinaus, zeigt aber ebenfalls keinen Verlust von interdentaler Gingiva oder Knochen. Auch hier ist eine vollständige Wurzeldeckung prinzipiell erreichbar. Bei Klasse III besteht zusätzlich ein Verlust interdentaler Gingiva oder Knochen oder eine Zahnfehlstellung. Eine vollständige Rezessionsdeckung ist nicht mehr möglich, jedoch eine teilweise Abdeckung. Klasse IV zeigt ausgeprägten interdentalen Attachmentverlust und bietet nur geringe Chancen auf erfolgreiche Deckung.

 

Indikationen und Behandlungsziele

Die Entscheidung für eine Rezessionsdeckung berücksichtigt sowohl objektive klinische Parameter als auch subjektive Patientenwünsche. Ästhetische Indikationen bestehen insbesondere im Frontzahnbereich, wo sichtbare Rezessionen das Erscheinungsbild des Lächelns stören. Patienten, die unter dieser ästhetischen Beeinträchtigung leiden, profitieren von der chirurgischen Korrektur.

Funktionelle Indikationen ergeben sich bei persistierender Hypersensibilität trotz konservativer Desensibilisierungsmaßnahmen. Wenn Fluoridlacke, desensibilisierende Zahnpasten oder remineralisierende Präparate keine ausreichende Besserung bringen, kann die chirurgische Abdeckung die einzige effektive Lösung darstellen. Die Schaffung oder Verbreiterung von keratinisierter, befestigter Gingiva ist eine weitere funktionelle Indikation, da dieses Gewebe widerstandsfähiger gegen mechanische Belastung ist.

Prophylaktische Gründe rechtfertigen die Rezessionsdeckung bei fortschreitenden Rezessionen oder vor kieferorthopädischer Behandlung, wenn weitere Gewebetraumatisierung zu erwarten ist. Bei Wurzelkaries im Rezessionsbereich kann die Deckung nach konservativer Versorgung der Läsion deren Rezidiv verhindern. Vor prothetischen Restaurationen mit subgingivalen Kronenrändern sollte ausreichend gesundes, keratinisiertes Gewebe vorhanden sein.

Die Behandlungsziele umfassen die vollständige oder teilweise Abdeckung der Wurzeloberfläche, die Reduktion oder Elimination der Hypersensibilität, die Schaffung ausreichender keratinisierter Gingiva, die Verhinderung weiterer Rezessionsprogression und die Verbesserung der Ästhetik. Realistische Zielsetzungen sind entscheidend – nicht jede Rezession lässt sich vollständig decken, aber auch eine teilweise Deckung kann bedeutsamen klinischen und ästhetischen Gewinn bringen.

 

Chirurgische Techniken

Die moderne Parodontalchirurgie bietet verschiedene Verfahren zur Rezessionsdeckung, die sich grundsätzlich in Verschiebelappen und Transplantationstechniken unterteilen lassen.

Koronaler Verschiebelappen

Der koronale Verschiebelappen ist eine elegante Technik, bei der das vorhandene Gewebe apikal der Rezession mobilisiert und nach koronal verschoben wird. Diese Methode eignet sich besonders bei ausreichend vorhandener keratinisierter Gingiva unterhalb der Rezession. Ein Mukoperiostlappen wird präpariert, von periostalen Verbindungen gelöst und spannungsfrei über die freiliegende Wurzeloberfläche gezogen.

Die Technik nach Zucchelli hat sich als besonders erfolgreich erwiesen. Durch sorgfältige Schnittführung mit papillenerhaltenden Inzisionen und subtile Lappenbehandlung werden optimale ästhetische Ergebnisse erzielt. Die Heilung erfolgt durch primäre Intention, und die Farbintegration ist meist ausgezeichnet, da körpereigenes Gewebe verwendet wird.

Bindegewebstransplantat

Das subepitheliale Bindegewebstransplantat, auch CTG (Connective Tissue Graft) genannt, gilt als Goldstandard der Rezessionsdeckung. Dabei wird Bindegewebe aus dem Gaumen entnommen und in einem Empfängerbett im Rezessionsbereich eingebracht. Die Entnahmestelle heilt in der Regel komplikationslos.

Die Technik nach Langer und Langer verwendet ein teildickes Empfängerbett, in das das Transplantat eingelagert wird. Die Deckung erfolgt durch einen koronalen Verschiebelappen. Diese Kombination erreicht hohe Erfolgsraten mit vollständiger oder nahezu vollständiger Wurzeldeckung in 70 bis 90 Prozent der Fälle. Das zusätzliche Bindegewebe verdickt die oft dünne Gingiva und schafft langfristig stabilere Verhältnisse.

Modifizierte Tunneltechnik

Die Tunneltechnik nach Allen minimiert Schnitte und präserviert die interdentale Papille vollständig. Durch eine kleine vestibuläre Inzision wird ein subperiostaler Tunnel präpariert, der mehrere Zähne umfassen kann. Ein Bindegewebstransplantat wird durch diesen Tunnel geschoben und fixiert. Diese minimalinvasive Methode bietet Vorteile bei der Behandlung multipler Rezessionen und zeigt hervorragende ästhetische Resultate mit minimaler Narbenbildung.

Freies Schleimhauttransplantat

Das freie Schleimhauttransplantat, auch FGG (Free Gingival Graft) genannt, wird vorwiegend zur Verbreiterung der keratinisierten Gingiva eingesetzt. Ein epithelisiertes Gewebestück wird vom Gaumen entnommen und auf das präparierte Empfängerbett übertragen. Diese Technik eignet sich weniger für ästhetische Deckungen im sichtbaren Bereich, da die Farbintegration suboptimal ist, bietet aber exzellente funktionelle Ergebnisse bei insuffizienter attached Gingiva.

 

Präoperative Voraussetzungen

Der Erfolg einer Rezessionsdeckung hängt wesentlich von sorgfältiger Vorbereitung ab. Die Mundhygiene muss vor dem chirurgischen Eingriff optimiert werden. Plaque und entzündliche Veränderungen beeinträchtigen die Heilung und verschlechtern die Prognose erheblich. Ein Plaque-Index unter 20 Prozent sollte angestrebt werden.

Die Motivation und Instruktion des Patienten in atraumatischer Putztechnik ist essentiell. Die traumatische Zahnputzgewohnheit, die häufig zur Rezession geführt hat, muss vor der Operation korrigiert werden, sonst ist ein Rezidiv vorprogrammiert. Weiche Zahnbürsten, sanfte kreisende Bewegungen und die Vermeidung horizontaler Schrubbewegungen werden eingeübt.

Störende Bändchen sollten vor oder während des Eingriffs durch Frenektomie entfernt werden. Die Wurzeloberfläche muss gründlich gereinigt und von Konkrementen befreit werden. Wurzelglättung schafft eine biokompatible Oberfläche, die das Attachment begünstigt. Überinstrumentierung sollte jedoch vermieden werden, da sie zu Gewebedefekten führt.

 

Postoperative Phase und Prognose

Die postoperative Betreuung ist entscheidend für den Behandlungserfolg. In den ersten zwei Wochen nach dem Eingriff darf das Operationsgebiet nicht mechanisch gereinigt werden. Stattdessen erfolgt die Plaquekontrolle durch zweimal tägliches Spülen mit 0,12-prozentiger Chlorhexidin-Lösung. Die Nahrung sollte weich sein, und extreme Temperaturen sind zu vermeiden.

Schmerzen sind meist moderat und lassen sich mit nichtsteroidalen Antirheumatika kontrollieren. Die Entnahmestelle am Gaumen kann in den ersten Tagen stärker schmerzen als die eigentliche Operationsstelle. Verbandplatten schützen die Wunde und erhöhen den Komfort. Nach etwa zehn bis vierzehn Tagen werden die Nähte entfernt, und die vorsichtige mechanische Reinigung mit weicher Bürste kann beginnen.

Die vollständige Heilung und Reifung des Gewebes dauert mehrere Monate. Die anfänglich oft blasse Farbe des Transplantats gleicht sich durch Revaskularisierung allmählich der Umgebung an. Die endgültige Beurteilung des ästhetischen und funktionellen Ergebnisses sollte nicht vor sechs Monaten erfolgen.

Die Prognose hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die Miller-Klasse ist ein wichtiger prognostischer Indikator – Klasse I und II zeigen die besten Erfolgsaussichten. Die Einhaltung atraumatischer Mundhygiene durch den Patienten ist kritisch für den Langzeiterfolg. Rauchen verschlechtert die Heilung und Prognose signifikant und sollte idealerweise eingestellt werden. Bei optimalen Voraussetzungen und fachgerechter Durchführung können Wurzeldeckungsraten von 80 bis 95 Prozent erreicht werden, wobei die vollständige Deckung bei günstigen Ausgangssituationen in etwa 70 Prozent der Fälle gelingt.

Search Search
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen