Tel.: 040 695 2000
Zahnarztpraxis Nekzai in Hamburg-Wandsbek
  • Praxis
  • Leistungen
  • Zahngesundheit
    • News
    • Galerie
    • Blog
    • Wiki
    • Service
    • Downloads
    • Ästhetische Zahnheilkunde
    • Zahnarztangst?
  • Prophylaxe
  • Endodontie
  • Implantate
  • Zahnästhetik
  • Terminbuchung
  • Kontakt
  • Menü Menü

Periotest

Das Periotest ist ein elektronisches Messgerät, das in der Zahnmedizin zur objektiven Beurteilung der Stabilität von Zähnen und Zahnimplantaten eingesetzt wird. Seit seiner Einführung in den 1980er Jahren hat sich dieses diagnostische Instrument als wertvolles Hilfsmittel etabliert, um die Verankerung und Osseointegration von Implantaten zu überprüfen sowie die Beweglichkeit natürlicher Zähne zu quantifizieren. Die nicht-invasive Messmethode ermöglicht eine standardisierte und reproduzierbare Beurteilung, die subjektive klinische Einschätzungen durch objektive Zahlenwerte ergänzt.

Grundlagen und Funktionsweise

Die Entwicklung des Periotest basierte auf der Notwendigkeit, die mechanische Stabilität von Zähnen und Implantaten objektiv zu messen. Während die manuelle Überprüfung der Zahnbeweglichkeit durch den Zahnarzt mit Instrumenten eine lange Tradition hat, unterliegt diese Methode erheblichen subjektiven Schwankungen. Unterschiedliche Untersucher kommen zu verschiedenen Bewertungen, und selbst derselbe Behandler kann an verschiedenen Tagen zu abweichenden Einschätzungen gelangen.

Das Periotest löst dieses Problem durch ein standardisiertes Messverfahren. Das Gerät besteht aus einem Handstück mit einem elektronisch gesteuerten Metallstift, der definierte Impulse auf die Zahnoberfläche oder Implantatkrone abgibt. Die Reaktion des Zahns auf diese kontrollierten Schläge wird erfasst und in einen numerischen Wert umgerechnet. Dieser Periotest-Wert (PTV) liefert eine objektive Aussage über die Dämpfungseigenschaften des Parodonts oder der knochenimplantatären Verbindung.

Die physikalische Grundlage der Messung beruht auf der Tatsache, dass fest verankerte Strukturen den auftreffenden Metallstift schneller abbremsen als bewegliche Elemente. Bei einem stabilen Implantat oder einem gesunden Zahn mit intaktem Parodontium ist die Kontaktzeit zwischen Metallstift und Oberfläche kürzer als bei gelockerten Strukturen. Diese Kontaktzeit wird elektronisch erfasst und in den Periotest-Wert übersetzt.

Messprinzip und technische Details

Das Periotest-Handstück enthält einen federbelasteten Metallstab, der durch einen elektromagnetischen Impuls beschleunigt wird. Dieser Stab wird viermal pro Sekunde in Richtung des zu messenden Objekts ausgelöst. Die Geschwindigkeit und Energie des Aufpralls sind standardisiert, sodass jede Messung unter identischen Bedingungen erfolgt.

Bei jedem Impuls trifft der Metallstift auf die Zahnoberfläche und wird je nach Dämpfungseigenschaften mehr oder weniger stark abgebremst. Ein Sensor im Handstück registriert die Verzögerung des Stifts während des Kontakts. Bei fest verankerten Strukturen erfolgt eine schnelle Abbremsung mit kurzer Kontaktzeit, während bewegliche Elemente nachgeben und eine längere Kontaktzeit verursachen.

Aus sechzehn aufeinanderfolgenden Einzelmessungen berechnet das Gerät automatisch einen Mittelwert, der als Periotest-Wert angezeigt wird. Diese Mittelwertbildung erhöht die Zuverlässigkeit der Messung und minimiert zufällige Schwankungen. Die Skala reicht von -8 bis +50, wobei negative Werte eine sehr hohe Stabilität und positive Werte zunehmende Beweglichkeit anzeigen.

Anwendungsbereiche

Das Periotest findet in verschiedenen Bereichen der Zahnmedizin Anwendung, wobei die Implantologie und Parodontologie die Haupteinsatzgebiete darstellen.

Implantologie

In der Implantologie ist die Überprüfung der Osseointegration von entscheidender Bedeutung. Nach dem chirurgischen Einsetzen eines Implantats muss der umgebende Knochen mit der Implantatoberfläche verwachsen, bevor das Implantat belastet werden kann. Dieser Prozess dauert typischerweise zwei bis sechs Monate, je nach Knochenqualität und Implantatlokalisation.

Das Periotest ermöglicht die objektive Beurteilung, ob die Osseointegration ausreichend fortgeschritten ist. Vor der prothetischen Versorgung wird der Periotest-Wert gemessen, um sicherzustellen, dass das Implantat stabil genug ist, um Kaukräfte aufzunehmen. Werte im negativen Bereich oder niedrigen positiven Bereich sprechen für eine erfolgreiche Integration, während höhere Werte eine verzögerte oder unzureichende Einheilung anzeigen können.

Während der Einheilphase können Verlaufsmessungen den Fortschritt der Osseointegration dokumentieren. Eine kontinuierliche Abnahme der Periotest-Werte zeigt die zunehmende Stabilität an. Bei stagnierender oder sich verschlechternder Entwicklung kann frühzeitig interveniert werden, bevor es zu einem Implantatverlust kommt.

Auch bei bestehenden Implantaten dient das Periotest der Langzeitüberwachung. Im Rahmen der Recall-Termine werden regelmäßige Messungen durchgeführt, um Veränderungen der Stabilität zu erfassen. Eine Zunahme des Periotest-Werts kann ein früher Hinweis auf Knochenabbau oder beginnende Periimplantitis sein, noch bevor klinische Symptome oder radiologische Veränderungen erkennbar werden.

Parodontologie

In der Parodontologie quantifiziert das Periotest die Zahnbeweglichkeit bei parodontalen Erkrankungen. Parodontitis führt zum Abbau des Zahnhalteapparates, wodurch Zähne zunehmend gelockert werden. Die traditionelle Einteilung der Zahnbeweglichkeit in Grade 0 bis III ist subjektiv und stark untersucherabhängig.

Das Periotest objektiviert diese Beurteilung durch messbare Werte. Die Quantifizierung ermöglicht eine präzisere Verlaufskontrolle während und nach parodontaler Behandlung. Nach erfolgreicher Therapie sollten die Periotest-Werte abnehmen, was eine Restitution des Parodontiums oder zumindest eine Stabilisierung anzeigt. Ausbleibende Verbesserungen oder Verschlechterungen weisen auf Therapieversagen oder Progression der Erkrankung hin.

Bei der Entscheidung über die Erhaltungswürdigkeit parodontal geschädigter Zähne liefert das Periotest objektive Daten. Zähne mit sehr hohen Periotest-Werten haben eine ungünstige Langzeitprognose und sollten möglicherweise extrahiert werden, während Zähne mit moderaten Werten erhalten werden können.

Interpretation der Messwerte

Die Periotest-Skala reicht von -8 bis +50, wobei die Werte wie folgt interpretiert werden:

Für Implantate:

  • -8 bis -1: Exzellente Stabilität, Implantat fest osseointegriert, uneingeschränkte Belastbarkeit
  • 0 bis +9: Gute bis akzeptable Stabilität, Belastung in der Regel möglich, engmaschige Kontrolle empfehlenswert
  • +10 und höher: Unzureichende Stabilität, Belastung kontraindiziert, weitere Einheilung abwarten oder Implantat kritisch bewerten

Für natürliche Zähne:

  • -8 bis +9: Klinisch feste Zähne mit gesundem oder leicht beeinträchtigtem Parodontium
  • +10 bis +19: Erste Lockerungsgrade, beginnender Attachmentverlust, Behandlungsbedürftigkeit prüfen
  • +20 bis +29: Deutliche Lockerung, fortgeschrittener parodontaler Schaden, intensive Therapie erforderlich
  • +30 und höher: Hochgradige Lockerung, stark reduzierter Zahnhalteapparat, Erhaltungswürdigkeit fragwürdig

Diese Grenzwerte dienen als Orientierung, müssen aber immer im Kontext der klinischen Gesamtsituation interpretiert werden. Einzelne Messungen können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden und sollten nicht isoliert betrachtet werden.

Durchführung der Messung

Die korrekte Anwendung des Periotest ist entscheidend für aussagekräftige Ergebnisse. Das Handstück wird im rechten Winkel zur Zahnlängsachse positioniert, idealerweise etwa zwei Millimeter unterhalb des Zahnfleischrands oder der Kronenkante. Der Abstand zwischen Metallstift und Messobjekt sollte etwa 0,6 bis 2 Millimeter betragen.

Die Messung erfolgt im Idealfall an der vestibulären und oralen Seite des Zahns oder Implantats. Bei mehrwurzeligen Zähnen können zusätzliche mesiale und distale Messungen sinnvoll sein. Das Gerät führt automatisch sechzehn Impulse durch und berechnet den Mittelwert. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden und ist für den Patienten schmerzfrei.

Wichtig ist eine reproduzierbare Technik. Der Messwinkel, die Position und der Abstand sollten bei Folgemessungen möglichst identisch sein, um vergleichbare Werte zu erhalten. Suprakonstruktionen bei Implantaten sollten idealerweise die gleiche Höhe und Form aufweisen wie die spätere definitive Versorgung, da die Kronenhöhe die Messung beeinflusst.

Vorteile und Limitationen

Das Periotest bietet zahlreiche Vorteile gegenüber rein subjektiven Beurteilungsmethoden. Die Standardisierung ermöglicht objektive, reproduzierbare Messungen, die von verschiedenen Untersuchern verglichen werden können. Die quantitative Erfassung erleichtert die Dokumentation und Verlaufskontrolle. Die nicht-invasive, schmerzfreie Methode wird von Patienten gut toleriert und kann problemlos wiederholt werden.

Die schnelle Durchführung benötigt nur wenige Sekunden pro Zahn und lässt sich gut in den Praxisalltag integrieren. Die sofortige Anzeige des Messwerts ermöglicht unmittelbares Feedback. Die objektiven Daten unterstützen Behandlungsentscheidungen und können auch für forensische Zwecke oder wissenschaftliche Studien herangezogen werden.

Dennoch bestehen Limitationen. Die Messung erfasst nur die vertikale Stabilität, während horizontale Beweglichkeit nicht registriert wird. Die Kronengeometrie, insbesondere die Höhe der Suprakonstruktion, beeinflusst die Messwerte. Längere Kronen führen zu höheren Periotest-Werten, auch wenn die tatsächliche Verankerung identisch ist. Dieser Effekt muss bei der Interpretation berücksichtigt werden.

Technische Faktoren wie die genaue Positionierung des Handstücks, der Messwinkel und der Abstand zur Oberfläche beeinflussen das Ergebnis. Eine Standardisierung der Messtechnik ist daher essenziell. Bei sehr kurzen klinischen Kronen kann die Messung schwierig oder unmöglich sein.

Klinische Bedeutung und Weiterentwicklungen

In der modernen evidenzbasierten Zahnmedizin gewinnen objektive Messverfahren zunehmend an Bedeutung. Das Periotest trägt zur Qualitätssicherung bei, indem es Behandlungsentscheidungen auf messbare Parameter stützt. Die Dokumentation der Werte dient auch der rechtlichen Absicherung und ermöglicht die Nachvollziehbarkeit therapeutischer Maßnahmen.

Weiterentwicklungen des ursprünglichen Periotest-Systems haben zu moderneren Varianten wie dem Periotest M geführt, das zusätzliche Funktionen und verbesserte Handhabung bietet. Alternative Messverfahren wie die Resonanzfrequenzanalyse (RFA) ergänzen das diagnostische Spektrum. Beide Methoden messen unterschiedliche physikalische Parameter und können sich gegenseitig ergänzen.

Die Integration digitaler Technologien ermöglicht heute die elektronische Speicherung und grafische Darstellung der Messwerte über Zeit. Software-Programme können Verlaufskurven erstellen und Veränderungen visualisieren, was die Kommunikation mit Patienten erleichtert. Das Periotest bleibt ein wertvolles Instrument zur objektiven Stabilitätsmessung und trägt wesentlich zur Diagnostik und Qualitätssicherung in der modernen Implantologie und Parodontologie bei.

Search Search
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen